Start Frauengesundheit Morgens müde, abends hellwach? Ursachen und Tipps für einen besseren Schlafrhythmus

Morgens müde, abends hellwach? Ursachen und Tipps für einen besseren Schlafrhythmus

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Warum wir abends wach sind und morgens nicht aus dem Bett kommen

Jeden Morgen das gleiche Spiel: Ich quäle mich müde aus dem Bett und nehme mir fest vor, heute Abend wirklich früher schlafen zu gehen. Doch je weiter der Tag fortschreitet, desto mehr frage ich mich, ob ein kurzer Mittagsschlaf wohl eine gute Idee wäre. Und dann kommt der Abend – und plötzlich bin ich hellwach, als hätte ich nie ans Schlafen gedacht.

Dieser endlose Kreislauf ist für viele ein bekanntes Problem. Tatsächlich berichten unzählige Menschen von genau dieser Schwierigkeit, wenn sie mit Schlafmedizinern sprechen. Dr. Sonja Schütz, Neurologin und Schlafforscherin an der University of Michigan Medical School, erklärt, dass es völlig normal ist, sich zur „falschen“ Zeit müde oder wach zu fühlen.

Schlafprobleme sind keine Frage des Willens

Wer morgens nicht aus dem Bett kommt und abends ewig wach liegt, wird oft als faul abgestempelt. Besonders Jugendliche sind häufig mit diesem Vorurteil konfrontiert, sagt Dr. Allison Harvey, Professorin für Psychologie an der University of California, Berkeley. Doch es geht nicht um mangelnde Disziplin oder Faulheit – vielmehr steckt häufig eine Störung des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus dahinter.

Die Ursachen können vielfältig sein: schlechte Schlafhygiene, unruhiger Schlaf oder sogar eine ernstzunehmende Schlafstörung. Wenn der Körper nicht zur richtigen Zeit schläfrig wird oder sich morgens noch im Halbschlaf befindet, könnte das ein Zeichen sein, dass der innere Rhythmus nicht optimal eingestellt ist.

Warum guter Schlaf so wichtig ist

Erholsamer Schlaf ist essenziell für unsere Gesundheit – sowohl körperlich als auch geistig. „Ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist entscheidend für unsere mentale Leistungsfähigkeit, unser Immunsystem, unsere Kreativität und sogar unsere sozialen Fähigkeiten“, sagt Dr. Harvey. Wer gut schläft, trifft bessere Entscheidungen, geht weniger Risiken ein und kommt im Alltag besser mit anderen Menschen zurecht.

Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus kann jedoch genau das Gegenteil bewirken: Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Probleme. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Schlafgewohnheiten zu analysieren und gezielt anzupassen.

Warum bin ich morgens müde, aber abends wach?

Wer regelmäßig morgens völlig erschöpft aufwacht, sollte sich einmal bewusst machen, wie seine Schlafgewohnheiten aussehen. Dr. Michelle Drerup, Leiterin des Programms für verhaltenstherapeutische Schlafmedizin am Cleveland Clinic Sleep Disorders Center, empfiehlt, ein Schlaftagebuch zu führen. Wann geht man ins Bett? Wann wacht man auf? Wie fühlt man sich dabei?

Oft liegt das Problem an einem verschobenen circadianen Rhythmus – dem inneren Taktgeber unseres Körpers. Manche Menschen produzieren Melatonin, das natürliche Schlafhormon, erst spät in der Nacht, obwohl sie früher schlafen gehen müssten. Morgens ist dieser Prozess dann noch nicht abgeschlossen, was dazu führt, dass man sich noch stundenlang müde fühlt.

Ob jemand eher eine Nachteule oder ein Frühaufsteher ist, hängt stark mit diesem inneren Rhythmus zusammen. Wer seinen Schlaf-Wach-Rhythmus anpassen möchte, muss geduldig sein und ihn schrittweise verändern. Dr. Harvey empfiehlt, jeden Abend 15 bis 30 Minuten früher ins Bett zu gehen, bis der Körper sich an die neue Routine gewöhnt hat.

Schlaf am Wochenende – ein Teufelskreis?

Viele, die unter der Woche ständig müde sind, gönnen sich am Wochenende lange Ausschlaf-Sessions. Doch das kann den Schlafrhythmus weiter durcheinanderbringen, warnt Dr. Drerup. Wer am Wochenende zu lange schläft, hat am Montagmorgen wieder Schwierigkeiten, aufzustehen – und der Kreislauf beginnt von vorne.

Die Lösung? Möglichst auch am Wochenende einen festen Schlafrhythmus einhalten. Es ist in Ordnung, sich ein bisschen mehr Schlaf zu gönnen, aber mehr als eine Stunde später als sonst sollte man nicht aufstehen.

Die richtige Schlafhygiene: Kleine Veränderungen, große Wirkung

Neben festen Schlafzeiten gibt es noch weitere Faktoren, die den Schlaf beeinflussen. Dr. Schütz empfiehlt, spätestens ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen elektronische Geräte auszuschalten und das Licht zu dimmen. Stattdessen können beruhigende Aktivitäten wie Lesen helfen, den Körper auf den Schlaf vorzubereiten.

Auch die morgendliche Routine spielt eine wichtige Rolle. Wer gleich nach dem Aufwachen eine kleine Handlung in seinen Tagesablauf einbaut – sei es das Gesicht mit kaltem Wasser zu waschen, sich zu dehnen oder eine kleine Runde nach draußen zu gehen – hilft seinem Körper, in den Wachmodus zu kommen.

Ein weiterer entscheidender Punkt: die Wirkung von Koffein. Viele Menschen unterschätzen, wie lange Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke im Körper wirken. Wer abends gut schlafen will, sollte seinen Koffeinkonsum spätestens am frühen Nachmittag einschränken.

Bewegung hilft – aber zum richtigen Zeitpunkt

Regelmäßige Bewegung kann helfen, den Körper abends müder zu machen. Doch auch hier ist Timing entscheidend: Intensive Workouts direkt vor dem Schlafengehen können den gegenteiligen Effekt haben und den Körper in Alarmbereitschaft versetzen. Idealerweise sollte man körperliche Aktivitäten eher am Vormittag oder frühen Nachmittag einplanen.

Nickerchen – gut oder schlecht?
Ein kurzes Nickerchen kann durchaus Vorteile haben, vor allem wenn man sich tagsüber müde fühlt. Doch die Dauer ist entscheidend: Wer zu lange schläft oder zu spät am Tag ein Nickerchen macht, kann abends Schwierigkeiten haben, einzuschlafen. Dr. Schütz empfiehlt, Powernaps auf maximal 20 bis 30 Minuten zu begrenzen.

Schlafstörungen und andere Faktoren
Wenn trotz aller Maßnahmen die morgendliche Müdigkeit nicht nachlässt, könnte eine ernstzunehmende Schlafstörung wie Schlafapnoe dahinterstecken. In solchen Fällen ist ein Arztbesuch ratsam, um mögliche gesundheitliche Ursachen abzuklären.

Auch Medikamente können den Schlaf beeinträchtigen. Bestimmte Schlafmittel oder Allergietabletten können am nächsten Morgen einen „Hangover-Effekt“ auslösen, der das Aufstehen erschwert.

Nicht zu vergessen ist der Einfluss der mentalen Gesundheit. Menschen mit Depressionen haben oft Schwierigkeiten, morgens in die Gänge zu kommen. Während sich gesunde Menschen nach etwa 20 Minuten wach fühlen, kann es bei depressiven Personen mehrere Stunden dauern, bis die Müdigkeit nachlässt.

Entspannt bleiben – Panik hilft nicht
Auch wenn guter Schlaf wichtig ist, sollte man sich nicht zu sehr unter Druck setzen. Dr. Harvey betont, dass Angst vor schlechtem Schlaf oft kontraproduktiv ist. Unser Körper ist anpassungsfähig – und manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass der Schlafrhythmus kurzfristig durcheinandergerät.

„Es gibt Phasen im Leben, in denen Schlaf einfach nicht an erster Stelle stehen kann – sei es durch kleine Kinder, kranke Angehörige oder unregelmäßige Arbeitszeiten“, sagt sie. „Man sollte versuchen, regelmäßig guten Schlaf zu bekommen, aber sich keine unnötige Angst machen, wenn es mal nicht klappt.“

Fazit: Schlaf ist kein Luxus, sondern essenziell

Ob man morgens fit ist oder sich völlig erschlagen fühlt, hängt von vielen Faktoren ab – vom persönlichen Rhythmus über die Schlafgewohnheiten bis hin zur psychischen Verfassung. Wer dauerhaft schlecht schläft, sollte seinen Alltag bewusst unter die Lupe nehmen und gezielt Änderungen vornehmen. Ein paar einfache Anpassungen können bereits einen großen Unterschied machen – und den ewigen Kampf zwischen Müdigkeit und Wachheit endlich beenden.

Informationsquelle: who . int